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Aufnahmeprüfung Kirchenmusik in Köln 1984 - 29/12/2005 19:26
Ist lange her, aber vielleicht interessiert es ja doch noch jemanden...
Wie so viele Abiturienten hing ich nach meiner Schulzeit ein wenig hilflos in der Luft. Keine Idee, was man machen könnte, Interesse an allem und nichts... Nachdem ich ein wenig erfolglos herumstudiert hatte (Physik), war die Bundeswehrzeit eine willkommene Unterbrechung. Und auf langen Zugfahrten reifte mein Entschluss, mich wieder mehr der Musik zuzuwenden, genauer gesagt (evangelische) Kirchenmusik, denn ich war schon lange nebenberuflich als Organist in unserer Gemeinde tätig und kannte auch einige Kirchenmusiker, wusste also, was auf mich zukommen würde...
Ich habe also wieder mit dem seit ein paar Jahre unterbrochenen Klavierunterricht begonnen, auch meinen alten (jungen) Orgellehrer wieder gewinnen können und bereitete mich parallel zur Bundeswehr auf die Aufnahmeprüfung vor. Netterweise bekam ich in "meiner Einheit" sogar einen separaten Raum für mein E-Piano zugewiesen - sicher kein ideales Instrument (vor 20 Jahren) aber besser als nichts! Meine genial-chaotische rumänische Klavierlehrerin quälte mich jede Woche mit eigens für mich überlegten Gehörbildungsaufgaben und ich nahm sogar ein paar Stunden Gesangsunterricht, denn die Aufnahmeprüfung war wirklich umfangreich und lag wie ein Berg vor mir: Ich kam mir vor, als sei das bereits das Examen und ich hätte wirklich keine Ahnung!
Als dann der große Tag kam, fuhr ich ziemlich nervös nach Köln, wo eine recht große Schar von Aspiranten mit wohl vergleichbaren Gefühlen versammelt war. Jeder von uns bekam einen Plan, wann wir in welchen Räumen zu sein hatten, wo wir dann unsere Kenntnisse in Orgel, Klavier, Gesang und Gehörbildung/Harmonielehre zeigen sollten. Ich zitterte an den Tasten und mit der Stimme, hatte bei der Theorie aber wahnsinniges Glück: Mein erster Klavierlehrer in Kindertagen hatte mir nicht viel Harmonlielehre vermittelt, aber aus irgendeinem Grund begeisterte er sich für "neapolitanische Sextakkorde" , sodass diese sich mir quasi ins Gedächtnis einbrannten. Und genau darüber wurde ich befragt: "Spielen Sie eine Kadenz mit Neapolitaner"... Das gelang mir mit diesem Hintergrund gar nicht schlecht - ich erkannte auf Nachfrage sogar, dass ich dabei versehentlich eine Oktavparallele gemacht hatte... Und ich vermute mal, dass mir so der neapolitanische Sextakkord die Aufnahmeprüfung gerettet hat!
Alle Kandidaten wurden im Anschluss der Reihe nach in den Raum der Prüfungskommission gebeten und kamen ausnahmslos mit langem Gesicht wieder heraus. Nur mir wurde gesagt: "Sie sind aufgenommen, allerdings sind Sie der Einzige in diesem Semester und Sie müssen mal schauen, ob Sie die Kurse im Semester darüber oder erst im nächsten belegen, denn nur für Sie richten wir keine ein." Das war recht problematisch und im Nachhinein auch mit ein Grund dafür, dass ich das Studium nach einigen Semestern abgebrochen habe. Aber ich möchte die Zeit an der Musikhochschule Köln trotzdem nicht missen!
Post geändert von: admin, am: 29/12/2005 19:30
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