Home arrow Forum

Login Formular






Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren




 


Lektion 2 - 16/02/2006 20:27 So, gleich geht es zum ersten Mal daran, etwas zu hören. Vorher aber noch viele Worte...


Absolutes Gehör (AG) ist wie Farbenhören, denn Farbe und Tonfarbe sind ziemlich identisch, betreffen nur unterschiedliche Sinne: Rot hat eine niedrigere Frequenz als blau, eine bestimmte Frequenz sieht grün aus, die andere gelb und genauso ist es auch mit den Tönen. Ein Unterschied ist, dass das Gehör viele Oktaven hören kann, das Auge hingegen nur das Frequenzspektrum ca. "1 Oktave" erkennt. Betrachtet man das Farbspektrum, sieht man deutlich, dass das violetteste Violett schon wieder ein wenig rötlich wird und könnte man noch weiter sehen, würde es vermutlich wieder in einer Art rot erscheinen. (Anmerkung: Das hatte ich ursprünglich versehentlich in die Zusammenfassung von Lektion 1 gepackt).

Viele Musiker neigen dazu, den Begriff Klangfarbe im Zusammenhang mit dem AG misszuverstehen, da das Wort Farbe in unterschiedlichsten Bereichen benutzt wird. Die Klangfarbe eines Instruments erlaubt uns z. B., Klavier und Gitarre zu unterscheiden. Dieses Timbre ist gewissermaßen der Fingarabdruck des Instruments. "Pitch-Colour" (Tonhöhen-Farbe) hat damit allerdings nichts zu tun. Oft wird gemeint, beim AG würden den Tonfarben visuelle Farben zugeordnet. Das ist aber überhaupt nicht der Fall (außer vielleicht bei Synästhesie), sondern es handelt sich einfach nur um einen charakteristischen Klang jeder Tonhöhe, eine spezielle Tonhöhen-Farbe.

Manche Sänger meinen, sie hätten AG, wenn sie beim Singen einen gewissen Ton im Rahmen ihres Stimmumfangs identifizieren können. Stimmspannung hat aber in keiner Weise etwas mit AG zu tun, sondern dieses findet nur in Gehör und Gehirn statt!

AG und relatives Gehör (RG) sind zwar gewissermaßen Geschwister, beide Fähigkeiten haben aber wenig miteinander zu tun. Wer sagt: "Ich habe kein absolutes Gehör, aber eine sehr gutes relatives, sodass es schon fast wieder absolut ist" hat den Zusammenhang missverstanden. RG befähigt, eine musikalische Struktur zu erkennen, Intervalle zu unterscheiden etc. während AG noch weiter hineinhört, um die feinen Unterschiede der Tonhöhen-Farben zu erkennen.

Mit RG hört man z. B., dass ein Dominant-9-Akkord gespielt wird. Um welchen der 12 möglichen es sich handelt, zeigt das AG, indem man weiter in die Töne des Akkords hineinhört. Beim RG ändert sich die Wahrnehmung ständig, während die Musik fließt, dagegen klingt jedes A immer gleich, auch wenn es im Zusammenhang erklingt. AG ist eine grundlegendere Stufe der Wahrnehmung als RG. Beide bedingen sich nicht, wer absolut hört, muss in keiner Weise ein gutes RG haben und umgekehrt. Aber beide Arten zu hören ergänzen sich ideal. Das Ohr ist 4x kultivierter mit ausgebildetem RG und AG als nur mit einem der beiden. (Anmerkung: Na ja, komische Art der Mathematik)

Es gibt unterschiedliche Stufen des AG.

Level 1: Farbwahrnehmung (colour-awareness). Man merkt, dass sich etwas geändert hat, wenn ein Stück transponiert wird oder man auf einem Instrument spielt, das 1/2 Ton tiefer bzw. höher ist. Jede Tonart, jeder Ton hat einen anderen Klang. Das ist gewissermaßen der instinktive Grundzustand, wie bei einem Kind, das zwar unterschiedliche Farben sieht, aber noch lernen muss, sie genau zu unterscheiden. Die erste Hälfte des Kurses beschäftigt sich hauptsächlich damit, diese Farbwahrnehmung zu fördern.

Level 2: Farbunterscheidung (colour-discrimination). Nach Ausbildung des AG kann man alle 12 chromatischen Farben erkennen.

Wie klingen die Farben jetzt genau? Das ist ganz einfach, denn AG ist eine natürliche Fähigkeit und somit in keiner Weise kompliziert! [D.-L. Burge spielt F# und Eb langsam nacheinander auf dem Klavier und man soll genau hinhören.] Was ist der Unterschied zwischen beiden Tönen? Man hört sofort, dass der eine höher als der andere ist. Aber beim genaueren Hören merkt man auch, dass das F# ein wenig vibrierend und scharf klingt, dagegen das Eb weicher und sanfter. Beide Töne haben eine unterschiedliche Klangqualität! Das hört man am deutlichsten auf seinem eigenen Instrument, Klavier, Gitarre oder was auch immer, da man dessen Klangfarbe gewöhnt ist. Dabei geht es nicht darum, die Tonhöhe zu erkennen, sondern den besonderen Charakter des Tons. Welcher das ist, kann man schwer erklären, vor allem, wenn es um mehr als die beiden Töne F# und Eb geht. Denn wie sollte man z. B. einem Farbenblinden erklären, was rot und was blau ist? Vielleicht könnte man auch da sagen, dass rot weicher und sanfter, blau hingegen schärfer und härter ist. Aber wie erklärt man dann das Charakteristische an gelb?

Aufgabe: Gehe an dein eigenes Instrument, höre dir verschiedene Töne ganz genau an und achte auf die Unterschiede der Tonhöhen-Klangfarben. Zuerst vielleicht F# und Eb wie im Beispiel, aber natürlich auch die anderen.

Hinweis: Wichtig ist der klingende Ton, nicht wie man ihn nennt. Wer z. B. Trompete spielt, hört den charakteristischen Unterschied zwischen F# und Eb, wenn er G# und F greift!
Betreiber von www.gehoerbildung.com
  | | Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!