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Lektion 10 - 29/03/2006 18:49
Übungen:
Solo-Piano: Alle Übungen, die in den letzten beiden Lektionen mit Terzen und Sexten gemacht wurden, machen wir jetzt auch mit Sekunden, Quinten, Quarten und Septimen. Wie bisher verwenden wir nur die weißen Tasten und stören uns nichtan unterschiedlich klingenden großen und kleinen Intervalle bzw. dem Unterschied zwischen reiner und verminderter Quinte, auch wenn natürlich sofort klar ist, dass es sich nur um H und F handeln kann, wenn man sie hört.
Für alle Übungen ist jeweils eine Überprüfungs-Runde von 20 fehlerlos erkannten Intervallen erforderlich.
Solo-Gitarre: Die A-Dur-Übung aus der letzen Lektion machen wir jetzt mit H-Dur, d. h. Kapodaster so, dass E wie H klingt und immer nach dem H-Dur-Akkord einen beliebigen Ton spielen und erkennen. Für diese Übung gibt es zwei Überprüfungsrunden von 20 Beispielen, denn da hier im Gegensatz zu den Klavierübungen nicht nur weiße "Tasten", sondern alle chromatischen Töne vorkommen, sollte man ganz besonders sicher sein! Sie sehen, beide Gruppen machen unterschiedliche Übungen und kommen in verschiedenen Bereichen unterschiedlich schnell voran, das ist aber überhaupt kein Problem!
Diesmal sind es vor allem für die Solo-Piano-Gruppe besonders viele Aufgaben. Lassen Sie sich damit die Zeit, die erforderlich ist und gehen sie in aller Ruhe daran! Alle diese Aufgaben sind machbar, denn wenn man die Übung mit Terzen und Sexten geschafft hat, sind die anderen Intervalle nicht viel anders, genauso wie bei der Gitarrengruppe die Übung in H-Dur nicht der in A-Dur entspricht. Der Trick ist einfach nur, die Töne viele, viele Male auf unterschiedliche Arten in unterschiedlichen Zusammenhängen zu hören. Dadurch öffnet sich das Ohr ganz natürlich und wie von selbst!
Ton-Meditation: Wie in den Lektionen vorher, nur dass wir noch das A dazunehmen (F# bei der Gitarrengruppe).
Teams: Wie bei der Meditation wird auch hier das A mit dazugenommen (bzw. F# bei Gitarre).
Statt wie bisher zwei Töne zu spielen, sind es jetzt drei, die aufsteigend, absteigend oder gleichzeitig zu erkennen sind. Sie können beliebig nah oder weiter auseinander liegen. Diese Übung ist wirklich sehr nützlich, da man den Akkord zuerst innerlich zerlegen muss und dann die Töne identifizieren. Wer ein Solo-Instrument spielt, das nur einen Ton gleichzeitig hervorbringen kann, muss auf das gleichzeitige Spielen natürlich verzichten.
Wie fast immer auch hier für aufsteigend, absteigend und gleichzeitig jeweils eine Überprüfungsrunde von 20 Beispielen.
Frage/Antwort:
? Wurden Sie mit absolutem Gehör geboren ! David-Lucas Burge: Nein, bei mir ist das anders entstanden. Als ich in der 9. Klasse war, hatte ich noch nie von absolutem Gehör gehört. Als jemand zu mir sagte, ein Mädchen in unserer Schule hätte "absolutes Gehör", fand ich das interessant und fragte ihn, was das hieße. Und als er sagte, dass sie, egal welchen Ton man spielte, sofort sagen könnte, welcher es sei, dachte ich, dass das ziemlich unglaubwürdig klänge, denn wie um alles in der Welt sollte man in der Lage sein, so etwas zu schaffen? Mir erschien es unmöglich, denn was sollte schon der Unterschied von einem Ton zum anderen sein?!
Deshalb ging ich zu ihr und fragte, ob sie das absolute Gehör hätte und sie sagte: "Ja". Ich durfte ihr einige Töne vorspielen und sie konnte sie sofort bestimmen. Ich war beeindruckt und bat sie diese oder jene Note zu singen und auch das machte sie fehlerfrei. Ich fragte: "Wie machst du das?", aber sie wusste es nicht zu sagen. Das geht eigentlich jedem so, der angeborenes absolutes Gehör hat. Sie verstehen diese Fähigkeit nicht wirklich, sondern hören nur, dass ein Ton wie ein A klingt, ein anderer wie ein D etc. Sie denken nicht in Ton-Farbbegriffen, wie wir hier im Kurs, da das charakteristische jeder Tonhöhe sowieso schon klar ist. Verirrt sich so jemand in eins meiner Seminare, ist es für ihn/sie ziemlich schwer, sich in die Ton-Farbwelt hineinzudenken.
Ich testete sie also und sie konnte alle Töne benennen und singen. Diesem Geheimnis musste ich auf den Grund gehen und deshalb habe ich zu Hause ausprobiert, ob ich auch alle Töne raten könnte. Ich bat jemanden, für mich Töne zu spielen und schätzte dann, wie hoch oder tief die Note war mit dem Ergebnis, dass es mir nicht gelang! Schließlich habe ich aufgegeben, aber dieses Aufgeben war der Beginnn, denn als die Anstrengung beim Hören wegfiel, hörte ich die die Tonhöhen-Farben deutlicher. Sobald ich nicht mehr intellektuell heranging, nahm meine Wahrnehmung dafür zu und ich merkte, dass alle Töne unterschiedliche Klangfarben haben. Da fiel mir auf, dass ich sie eigentlich schon immer gehört hatte, denn als ich mit dem Klavierspielen begonnen hatte und mein erstes Stück in G-Dur spielte, dachte ich beim Spielen des F#, dass mein Klavier gestimmt werden müsste, weil der Ton scharf und vibrierend klang. Ich merkte also, dass die Bs etwas anders klangen als die weißen Noten und das C auch anders als das G, aber ich dachte nie darüber nach. Ich erwartete, dass nach dem Stimmen des Klaviers alle Töne gleich klingen müssten, aber ich bemerkte jedesmal, wenn der Stimmer da gewesen war, dass die Noten sogar unterschiedlicher klangen als vorher und das habe ich nie verstanden!
Aber als ich bei der Beschäftigung mit dem absoluten Gehör die verschiedenen Tonhöhen-Farben entdeckte, verstand ich, dass es eine Wahrnehmung ist, die jeder mehr oder weniger stark hat. Und als ich als erster "externer Person" einer Freundin F# und Eb im Vergleich vorspielte und sie fragte, ob sie den Unterschied zwischen scharf und weich hören könnte, meinte sie, dass sie es bemerken würde, aber sie war nicht wirklich überzeugt, dass das absolutes Gehör sei. Aber sie übte weiter und innerhalb von zwei Wochen konnte sie jeden Ton benennen und hatte voll entwickeltes absolutes Gehör. Das war natürlich sehr schnell, aber sie ist da vermutlich ein Naturtalent.
Ich bemerkte im Laufe der Zeit, dass jeder Musiker die Fähigkeit zum absoluten Gehör hat. Es ist allerdings eine sehr zarte Sache und wenn man nicht darüber nachdenkt, fällt es einem meist nie auf. Aber jeder hat die Fähigkeit in seinen Ohren und wenn wir die Aufgaben dieses Kurses bedächtig und ohne Überstürzung machen, entfaltet sich das Gehör von Tag zu Tag mehr!
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