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Lektion 12 - 22/05/2006 00:11 [Vorbemerkung: David-Lucas Burge sagt in dieser letzten Lektion der "Phase 1" des "Perfect Pitch Ear Trainig SuperCourse" noch einmal eine ganze Menge. Ziel ist dabei natürlich auch, den Zuhörer bei der Stange zu halten, denn bis zu dieser 12. Lektion darf man den Kurs gegen Erstattung des Kaufpreises wieder zurückschicken.]

Ist Ihnen das auch schon passiert: Sie hören ein E und haben das Gefühl, es sei die Terz zu einem C, obwohl dieses gar nicht zu hören war? Oder ein C#, das eine innere Beziehung zum A hat? Es fühlt sich wie eine Terz an, obwohl der Grundton gar nicht gespielt wurde. Das ist eine ganz normale "Hörillusion", genannt absolutes relatives Gehör, d. h. man erkennt das E, weil es die Terz über dem C ist oder das G als Quinte über dem C. Das kann mit jedem Ton passieren, jeder Ton kann das Gefühl einer Beziehung zu einem anderen Ton haben. Daran sehen Sie, dass Tonfarben-Erkennung und relatives Gehör sich mischen. Man glaubt, das Ohr arbeitet mit dem relativen Gehör, obwohl das gar nicht sein kann, da man den anderen Ton überhaupt nicht gehört hat. Später wird sich beides trennen und alle Gefühle der Tonbeziehungen zueinander lösen sich beim Absoluthören auf.

Ganz zu Anfang, als wir im Kurs die ersten Töne hörten, haben wir gewisse Unterschiede gehört, konnten aber nicht identifizieren, um welchen Ton es sich jeweils handelt. Um die Übungen bis hierher zu schaffen, haben wir uns zum großen Teil auf das relative Gehör verlassen, weil wir die Farben noch nicht so deutlich gehört haben. Später waren es z. B. 90% relatives und 10% absolutes Gehör, dann 50/50, dann 40% relativ und 60% absolut etc. Das ist es in etwa, wo wir momentan sind. Wenn man ein G hört und es erkennt, weil es die 5 über dem C ist, hat man etwa 50/50 erreicht, also absolutes relatives Gehör. Ich bin sicher, dass sehr viele von Ihnen jetzt genau bei diesem Punkt angelangt sind. Sollte das noch nicht der Fall sein, machen Sie sich keine Sorge, das wird noch kommen, wenn wir mit den Übungen fortfahren.

Das relative Gehör ist für die Entwicklung des absoluten Gehörs sehr hilfreich. Bei Unsicherheit der Tonfarben-Erkennung überlistet es das Ohr und entspannt das Hören. Wenn also das Farbenhören nicht ausreicht, nimmt es das relative Gehör zur Hilfe und man meint, nur relativ zu hören. Aber unter der Oberfläche passiert trotzdem etwas und das Farbenhören erscheint langsam an der Oberfläche und mischt sich immer mehr mit dem relativen Gehör.

Wir sehen also zwei völlig unterschiedliche Aspekte beim relativen Gehör: Einerseits ist es nützlich bei der Entwicklung des absoluten Gehör, aber es wird selbst nie zum absoluten Gehör werden, weil beides komplett unterschiedliche Fähigkeiten sind. Absolutes Gehör benötigt kein relatives Gehör, aber bei der Entwicklung des absoluten Gehörs ist es sehr sinnvoll. Am Anfang machen wir alles mit dem relativen Gehör und so ist es sehr schwer, das absolute Gehör zu entwickeln, wenn man nicht ein gewisses Maß an relativem Gehör besitzt. Entwicklung und Förderung des relativen Gehörs hilft sehr, auch Schwierigkeiten bei der Entwicklung des absoluten Gehörs zu überwinden. Es ist schwer abzuschätzen, welchen Anteil das relative Gehör bei der Tonerkennung im Laufe der Entwicklung des Gehörs jeweils hat, aber das braucht uns nicht zu beunruhigen. Wir hören immer entspannt und gleichzeitig konzentriert auf die Farben der töne, auch wenn wir sie relativ erkennen. Wir lassen das Ohr den Ton quasi aufsaugen und hören den Klang mit aufmerksamem Interesse.

Übungen:

Solo- und Team-Player haben diesmal die gleichen Übungen:

Wir nehmen jetzt die noch fehlenden Töne hinzu, also alle fünf schwarzen Tasten, die wir in der Tonleiter bisher nicht benutzt haben. Alleine gespielt, ergeben sie eine pentatonische Skala, die recht orientalisch klingt. Wer ein anders gestimmtes Instrument spielt, z. B. ein Saxophon in Eb, nimmt die dort entsprechend notierten Noten hinzu. Ich nenne die Töne C#, F#, Eb, Ab und B, wobei die Bezeichnung eigentlich keine Rolle spielt. Genauso könnte man Db, Gb, D# und A# sagen. In meinen Ohren klingen C# und F# brillant während Eb, Ab und B eher einen weicheren Klang haben.

Mit diesen "schwarzen Tönen" machen wir jetzt die gleichen Übungen, wie mit den weißen in den letzten Lektionen: Einzeln, doppelt der drei gleichzeitig und auch auf- und absteigend nacheinander. Machen Sie das einfach selbstständig, Sie wissen aus den bisherigen Übungen, wie es geht. Wenn Sie dann die schwarzen auf alle Arten geübt haben, wie vorher die weißen, werden wir schwarze und weiße auf sehr systematische Art miteinander kombinieren. Wir diskutieren das später ab Lektion 14.

Solo-Gitarristen:

Hier sind die Übungen etwas leichter zu erklären: Machen Sie weiter, wie in der vorherigen Lektion und wechseln von der A- zur D-Saite. Spielen Sie die leere Saite und dann einen beliebigen Ton. Dann wieder die Leersaite etc., genau wie vorher mit der A-Saite. Wenn Sie das geschafft haben, kommt als nächstes eine sehr interessante Methode, mit den Saiten zu arbeiten, die Ihnen gefallen wird, weil sie das Ohr ungemein schärft. Zusätzlich zur Übung auf der D-Saite vervollständigen Sie auch Ihre Dur-Akkorde: Diesmal sind F#, G# und A#-Dur an der Reihe.

Während all dieser Übungen in "Phase 1" ist das Farbenhören unter der bewussten Oberfläche gewachsen, wie eine Saat, die langsam aufgeht. Inzwischen beginnen wir, es zu sehen und zu würdigen. Von Lektion zu Lektion sehen wir eine elegante Einfachheit beim Fortschritt der Übungen. Ich bin mir sicher, dass Sie den Effekt der bisherigen Übungen schon spüren. Ihr Ohr ist nicht das gleiche wie zu Anfang, sondern ist durch sie gut vorbereitet. Sie müssen jetzt nur noch diese letzten Übungen von "Phase 1" schaffen und sind dann bereit, mit "Phase 2" fortzufahren, in der wir die Tonhöhen-Farben kristallisieren und das absolute Gehör endgültig entwickeln. Arbeiten Sie also alle Übungen mit den zugehörigen Überprüfungsrunden durch und wir sehen uns dann in "Phase 2".

Zusätzlicher Text, offensichtlich aus einer älteren Aufnahme:

Es gibt viele unterschiedliche Levels des Hörens. Nehme ich z. B. einen Akkord (Spielt D-Dur), ist es an der Oberfläche ein Klavier. Das ist das Offensichtlichste und jeder kann es hören. Gehen wir weiter in den Akkord, erkennen wir, dass es drei Töne sind. Viele können das nicht sagen, sie hören einen Akkord, aber nicht die Tonanzahl. Das nächste ist, dass die Töne sich zu einem Dur-Akkord stapeln und schließelich erkennen wir, dass es D-Dur ist. Wir können noch weiter gehen, indem wir den Akkord auf einem anderen Instrument spielen und auch dort den D-Dur-Akkord erkennen. Das ist dann die universelle Farberkennung, eine weitere Stufe des absoluten Gehörs. So gibt es viele Stufen der Wahrnehmung und bei jeder Stufe hört das Ohr mehr und mehr und genießt mit zunehmender Entwicklung auch immer mehr.

Das absolute Gehör gibt der musikalischen Wahrnehmung einen besonderen Charme, während das relative Gehör alleine eine rein intellektuelle Wahrnehmung ist. Aber beide sind für optimales Hören erforderlich. Ich habe es schon einige Male gesagt: Das Ohr ist mit beiden Fähigkeiten viermal so kräftig, wie mit einer davon alleine. Das relative Gehör ist ebenfalls wichtig, denn es gibt der Musik Fluss, weshalb das absolute Gehör nicht genug ist. Es gibt zwar die schöne Farbe, die Faszination, aber die Farberkennung muss in einen Zusammenhang mit dem gesamten musikalischen Bild gebracht werden und das leistet das relative Gehör. Das relative Gehör ist keine feine Wahrnehmung, ganz im Gegensatz zum absoluten Gehör, das wirklich auf zarten Klangfarben beruht. Es ist leichter zu lernen und viel einfacher as das absolute Gehör. Das Ohr muss nicht kultiviert werden, sondern es reicht, sich zu konzentrieren. Dennoch ist es eine Kunst, weil trainiert werden muss, um zu lernen, was im Fluss der Musik vor sich geht.
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