Ten, Musikpädagoge
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Re:wozu soll das gut sein??? - 11/12/2006 18:59
Hier mal eine bewusst provozierende Meinung:
(Möchte-Gern-)Absoluthörer sind oft extrem systematische Menschen, denen es möglicherweise zum Teil an Gefühl mangelt. Die nüchternen Wissenschaftler-Typen sozusagen. Was gefühlsmäßig nicht erfasst wird, wird dann eben analytisch, verstandesmäßig verarbeitet. Dabei helfen natürlich rationale Größen wie z.B. absolute Tonhöhe. Mit der gerade für Stimmungen ebenso wesentlichen rhythmischen Komponente von Musik haben solche Menschen jedoch oft ihre liebe Not. Sie wird stiefmütterlich behandelt und mit der extremen Fixierung auf Tönhöhen zu kompensieren versucht.
Meine Intention mit der Musik im Kopf zu komponieren liegt darin, dass wenn ich eine Melodie im Kopf habe und die aufschreiben will, ich sie als absoluter Hörer schon genau in die richtige Tonart setzen kann und dann weiß ich automatisch auch, ob die Melodie für eine Gesangslage/Instrumententonreichweite geeignet ist. Bei relativem Hören schafft man das nicht. Harmonische Zusammenhänge gelten unabhängig von der Transponierung. Und wer für bestimmte Instrumente oder Stimmen komponiert, muss deren Tonumfänge einfach wissen (oder nachschlagen). Ansonsten hilft ihm auch absolutes Hörvermögen nicht weiter. Wenn mein Ohr ein großes D auf der Gitarre auch noch so schön fände... sie kann es einfach nicht spielen...
Außerdem empfinde ich Musik in unterschiedlichen Tonarten ganz unterschiedlich. A-Dur und D-Dur klingen viel härter und schillernder als C#-dur und Es-Dur, die ganz sanft klingen und sich mehr für gefühlvolle Stücke eignn. Die Gesamtheit des musikalischen, ästethischen wie auch emotionalen Gehaltes eines Stückes liegt in so vielen Dimensionen, auch visuellen, einschließlich der Perfomance des Vortragenden, persönlichen Befindlichkeiten usw., dass eine reine Stimmungs-Zuordnung nach Tonhöhe paradox erscheint. Ich glaube, eine melancholische Ballade, vorgetragen in einem stimmungsvoll beleuchteten Amphitheater in einer Vollmondnacht im Sommer, genossen von einem verliebten Pärchen, klingt höchstens für ein elektronisches Frequenzmessgerät in C# anders als in D. Oder eben für Menschen, die Ihr Gehör zu einem reinen Messgerät degradiert haben.
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