Wieland
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Mentales Training - 19/04/2007 17:32
Vielleicht sind manche Anregungen des mentalen Trainings für das AG hilfreich?
Mentales Training bei Frau Tatjana Orloff – Tschekorsky
Frau OT war eine ausgebildete Pianisten aus der Ukraine, welche sich jahrzehntelang mit dem mentalen Training beim Klavierspielen beschäftigte. Da sie sich schon kränklich fühlte, bildete sie einige Musiker aus, welche ihre Methode weiter tragen sollten. Diese machten noch eine weitergehende Ausbildung. Von dieser Ausbildung kann ich nicht berichten. Dabei arbeitete sie mit verschiedenen Wissenschaftlern und einem Hirnforscher aus Wien zusammen. Näheres kann man in ihrem Buch „ Mentales Training in der Musikausbildung Verlag Nepomuk Zürich “ nachlesen. Dieses Buch ist normalerweise nicht ganz unbekannt und müsste in jeder Bibliothek einer Musikhochschule vorhanden sein. Einige wichtige Dinge hatte sie nicht in ihrem Buch erwähnt. Ich möchte von meinen Erfahrungen berichten. Es mag sein, dass manche Information auch für das Erlernen der AG wichtige Impulse liefern kann. Bei ihren Kursen war ich dreimal. Einer ging nur über ein Wochenende. In ihrer Stunden war man immer zu zweit. Dabei hörte jeder die Fortschritte des anderen. Sie nahm sich immer nur ganz kleine Teile zur Erarbeitung vor. Zuerst war ich als Hobbygeiger mit einem ausgebildeten Gitarrist zusammen. Er spielte nur einen Akkord. Dabei analysierte sie sofort jeden einzelnen Ton bzw. Finger. Sie verfügte über ein AG. Dieser Akkord war dem Gitarristen unangenehm. Sie ließ jetzt jeden einzelnen Finger aufsetzen und die Töne anzupfen. 1. Jetzt musste sich der Spieler entspannen ( Entspannung nach autogenem Training – man fühlt sich wie kurz vor dem Einschlafen – hierzu nahm man ein angenehmes Bild, welches man sich mit geschlossenen Augen vorstellte. Diese Entspannung ( ungefähr 30 Sekunden ) übte man mit ihr und anderen Teilnehmern am Anfang des Kurses ein - Literaturverweis im Buch ). 2. Nun stellte man sich ohne Instrument jeden einzelnen Finger vor: Stellung auf dem Griffbrett, Neigung des Fingers bezüglich des Griffbrettes, Art des Anzupfens, usw. 3. Zusätzlich merkte man sich die Tonqualität ( weich, hart, usw. ) 4. Jetzt übte man allein in einem anderen Raum 10 Minuten lang bei völliger Ruhe ( keine Nebengeräusche wie bei „ Bratschisten“ ) das kleine Programm durch ( oft nur einen halben Takt ). Ich konnte bemerken, dass sich während der Entspannung meine Finger entkrampften ( leichtes Ziehen ). Dieses Aufsetzen der Finger stellt man sich in Zeitlupe vor. Zu Beginn kann man sich nur ein paar Punkte vorstellen. Während des Einübens wurde ein Metronom verwendet, das auf sehr langsam gestellt wurde. Die Geschwindigkeit des Metronoms durfte nicht schneller sein als die Vorstellung im Gehirn. Pro Tag wurde das Metronom um drei Schläge erhöht. Es kommt natürlich der Punkt, an welcher die Vorstellung zu langsam bleibt, die eigene Geschwindigkeit aber trotzdem erhöht werden kann. Die Bewegung ist nun automatisiert. Es ist nur wichtig, sich mit dem Metronom auf eine gewisse Geschwindigkeit heranzutasten. 5. Nach zehn Minuten kam man wieder zu Frau OT. Es war folgendes interessant, was man auch bei seinem Mitstreiter verfolgen konnte. Beim ersten erneuten Vorspiel hörte man kaum einen Unterschied, jedoch beim zweiten und dritten Mal war man wirklich verblüfft. Der Gitarrist meinte, dass er diesen Akkord noch nie so zwanglos hatte spielen können. 6. Beim erneuten Vorspiel ist folgendes sehr wichtig: a) Spiele einfach drauflos ( man hat ja in der Entspannungsphase schon vieles optimiert und abgespeichert ) und denke nicht an die vorhergehenden Überlegungen.- dies beeinflusst negativ das neue Vorgehen ( man könnte meinen, dass das Programm im Gehirn noch einmal überschreiben wird – mit negativen Folgen. ) b) Die Finger spielen von alleine auch unter Stress. c) Spiele nie schneller als das trainierte Tempo mit dem Metronom während der Entspannung ( z.B. vier Sechzehntel – eine Sechzehntel pro Sekunde – also sehr langsam )! 7. Bei diesem Vorgehen muss man wirklich diszipliniert sein. Das anfangs sehr langsame Tempo wird aber später mit deutlich besserem Spiel mehr als belohnt. Viele Fehler offenbaren sich schon beim Langsamen Spiel. 8. Abends trafen sich alle Mitstreiter und diskutierten mit Frau OT die anfallenden Probleme. Dabei war sie für jede Meinung vollkommen offen und ging auf die verschiedenen Probleme ein. 9. Ihrer Meinung nach kann man zu Beginn nur eine halbe Stunden sinnvoll am Tag üben. Ein Üben sei unter folgenden Bedingungen nicht möglich: Krankheit, Unausgeschlafenheit, Unwohlsein 10. Bei einem Kurs war man pro Tag nur zweimal eine dreiviertel Stunde im Unterricht. 11. Bei Pianisten wurden z.B. Akkorde ( je nach Stimmenanzahl ) zerlegt und alle Möglichkeiten der Stimmen: z.B. (1. und 2. Stimme, 2. und 3. Stimme, 1. und 3., und 1,2 und 3. Stimme zusammen) also alle möglichen Kombinationen eingeübt.
Ich als Hobbygeiger konnte bei ihr folgende tolle Erfahrung sammeln:
Auch unter Stress konnte ich Stücke spielen, welche ich zuvor nicht konnte. Die Entspannung am Anfang half mir sehr beim Spielen komplizierterer Stücke. Ich höre jetzt den Anfang eines Stückes viel genauer und kann schneller und sicherer spielen. Zur Technik des Geigenspiels konnte sie mir natürlich keine Tipps geben, dies war ja auch nicht meine Anliegen. Man hat die Stücke bei dieser Vorgehensweise viel genauer im Gedächtnis und kann sich von höherer Warte beim Spielen beobachten. Mit der Zeit erweitert man sich die Möglichkeit beim Vorstellen. Zu Beginn fällt es einem schwer sich auf Bogen, Saitenwechsel, Fingerhaltung, Stelle des Fingers auf dem Griffbrett vorzustellen. Doch dies verbessert sich zusehends. Es tritt eine nach meinen Worten eine „ Vorstellungserweiterung “ ein. Skifahrer verwenden diese Technik mit Erfolg warum nicht auch Instrumentalisten. Dass das mentale Training effektiv ist, ist eindeutig bewiesen. Ein Cellist aus der Schweiz meinte, dass ein Erwachsener nach diese Methode mehr als 50% der Zeit in der Einübephase sparen kann und zudem das Stück auswendig drauf hat. Leider ist Frau T. Orloff – Tschekorsky vor ein paar Jahren gestorben. Es wäre nämlich sehr interessant gewesen, sie mit dem Trainingsprogramm nach Lucas Burge zu konfrontieren. Sie war trotz ihres Alters Neuerungen sehr aufgeschlossen und kritisch zugleich. In der Hirnforschung wird heutzutage vieles behauptet und vieles wird dann nach Jahren revidiert. Ich finde Euer Bestreben sehr interessant. Viele Beiträge aus der Hirnforschung könnte man auch „ Durchblutungswissenschaft “nennen. Auch in Gegenden, wo weniger Blut fließt, passiert etwas im Gehirn – oder?. So primitiv ist es auch wieder nicht. Viele Journalisten möchten immer eine Landkarte des Gehirns veröffentlichen. So etwas ist ziemlich naiv. Am Anfang war ich gegenüber der Methode von Frau OT sehr kritisch, wurde aber dann doch sehr überrascht ( selbst ein Streicher der Berliner Philharmoniker konnte sich ihrer Methode nicht entziehen ). Ich hoffe, dass diese kleine Information, obwohl diese Methode nichts mit dem Erlernen des AG zu hat, ein wenig im Erlernen des AG beitragen kann.
Wieland Ullmann
Hallo Forenleser,
wie kann man die CD'sfür Eure Anregungen erhalten. Wie läuft eigentlich die Bezahlung( Überweisung nach Amerika ), wenn man den Kurs bestellt. Wie teuer ist die Sammlung?Es gibt dabei verschiedene Pakete. Gruß Wieland |