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Lektion 3 - 20/02/2006 23:21 Weiter geht es mit grundlegenden Erläuterungen. Keine Sorge, die richtigen Übungen kommen ab der nächsten bzw. übernächsten Lektion! Aber die Aufgabe, einfach nur genau auf den Klang der einzelnen Töne zu hören, ganz entspannt und locker, ist auf jeden Fall auch schon super-wichtig und sollte möglichst oft dazwischengeschoben werden!


Haben Sie den Unterschied zwischen F# und Eb an Ihrem Instrument erkennen können? Viele hören ihn so klar, dass sie überrascht sind, davon bisher nichts bemerkt zu haben. Aber auch, wenn man zu Anfang die unterschiedliche Klangfarbe der Tonhöhen nicht erkennen sollte, ist das kein Problem. Es ist wirklich nur eine sehr feine Nuance. Vor allem darf man nicht erzwingen wollen, den Klangunterschied wahrzunehmen, vielmehr sollte man einfach nur ganz entspannt hören, bis das Ohr sich langsam von selbst öffnet. Hören ist kein Krafttraining und Anstrengung bringt nichts!

Man hat sich im Laufe seines Lebens daran gewöhnt horizontal zu hören, also vor allem auf die Beziehung zwischen den Tönen zu achten. Von dieser Gewohnheit muss man das Ohr abbringen und stattdessen vertikal in die einzelnen Töne hinein hören.

Vergleicht man die unterschiedlichen Töne mit Farben, könnte man das kräftige, vibrierende F# z. B. mit rot in Verbindung bringen. Die rote Farbe fängt das Auge, weshalb Warnsignale meist rot sind. Dagegen klingt Eb weicher und zarter. Das hat nichts mit der Tonhöhe zu tun, denn der Klang eines F# bleibt auch eine Oktave höher oder tiefer charakteristisch. Allerdings wird die Unterscheidung bei sehr hohen und sehr tiefen Tönen zunehmend schwieriger. Bewegt man sich chromatisch auf der Tastatur, hört man horizontal nur höhere oder tiefere Tonlagen, hört man jedoch in die Töne hinein, zeigt jeder einen ganz eigenen Klang, man könnte auch Geschmack sagen, dass jeder Ton also unterschiedlich gewürzt ist...

Nehmen wir einmal einen andern Ton, z. B. das Ab. Im Vergleich zum F# klingt es ebenfalls ein wenig weicher, und runder, hat allerdings eine andere Qualität als das Eb. Spiele ich auf Live-Seminaren diese Beispiele, empfinden die meisten Teilnehmer das auf Anhieb genauso. Das menschliche Ohr empfindet also ganz allgemein das F# schärfer und vibrierender als das Eb bzw. Ab. Dabei ist das kein klares Gefühl, sondern nur ein vager Unterschied im Klang, der im Ton selbst ist und nichts mit seiner Tonhöhe zu tun hat. Akkorde setzen sich aus unterschiedlichen Tönen zusammen, deren Tonhöhen-Farben alle mit in den Klang des Akkords hineinspielen. Dabei ist der Grundton dominant, d. h. F#-Dur klingt in erster Linie nach F# und nur in geringerem Maße nach A# und C#.

Viele Kursteilnehmer zweifeln, ob sie die richtige Klangempfindung haben. Für den Anfang ist es völlig ausreichend, wenn man die unterschiedlichen Klangfarben mal hört und mal nicht! Typisch ist, dass man genau dann die Unterschiede heraushört, wenn man sich nicht darauf konzentriert!

Die Schärfe des F# hat nichts mit dem einzelnen Instrument zu tun, sondern es handelt sich um die spezielle Klangfarbe der Tonhöhe. Zu Bachs Zeit war die Stimmung niedriger, d. h. damals klang das F# auch anders und dann hatte z. B. das G den vibrierenden, scharfe Klang. Schon einige Klavierstimmer haben mir gesagt, dass sie vor allem mit dem F# Probleme haben, weil es schärfer als die anderen Töne klingt. Ihnen ist meist gar nicht bewusst, dass es so sein muss!

Im Seminar werde ich oft gebeten, die Klangfarbe aller 12 Töne zu beschreiben, aber das mache ich nie. Jeder muss und kann das selbst hören, denn die Begriffe "schärfer" und "weicher" reichen nicht aus, um alle Töne ausreichend zu charakterisieren. Man kann es nicht falsch hören, sondern jeder Ton klingt einfach so, wie er klingt! Wenn man einmal auf dem Pfad zum absoluten Gehör (AG) ist, wird es im Laufe der Zeit immer klarer und die Fähigkeit, die unterschiedlichen Tonhöhenfarben zu erkennen, wächst.

Wenn man die 2. Stufe des AG erreicht hat und die Tonhöhen klar auf seinem eigenen Instrument unterscheiden kann, kommt man zur nächsten, der 3. Stufe: Hören von Nuancen zwischen den Tönen, d. h. man kann erkennen, ob ein Ton ein bisschen höher oder tiefer als die Standardstimmung ist. Wenn wir ein Farbspektrum haben, stehen die Farben dort auch nicht hart nebeneinander, sondern es gibt Übergänge. Genauso ist es bei der Tonfarben-Wahrnehmung. Ein etwas zu hohes E klingt ein wenig "F-ig", wenn es zu tief ist, ein wenig "Eb-ig".

Zunächst erkennt man die Töne nur auf seinem eigenen Instrument. Sobald aber kein Klavier, sondern z. B. eine Geige erklingt, ist es vorbei... Aber auch das ist schon eine Stufe des absoluten Gehörs, das nur noch weiter verfeinert werden muss. Erkennt man die Tonhöhe unabhängig vom Instrument, nennt man diese nächste Stufe des Absoluthörens "universelles AG". Warum ist es bei anderen Instrumenten so schwierig? Schuld ist das unterschiedliche Timbre. Diese Klangfarbe des Instruments kann leicht mit der Tonhöhenfarbe verwechselt werden, da die Tonhöhenfarben sehr feine Unterscheidungen sind, während das Timbre eher an der Klangoberfläche ist und leicht erkannt wird. Das Ohr wird diese Illusion leicht verwirrt, aber da die Tonhöhenfarbe etwas ganz anderes als die spezielle Klangfarbe eines Instruments ist, kann sie nicht wirklich überdeckt werden. Das Ohr muss lediglich diese Unterscheidung lernen!

AG ist eine menschliche Wahrnehmung mit allen menschlichen Unzulänglichkeiten, d. h. man kann in der Regel nicht wie ein Computer sagen, welche Frequenz ein Ton genau hat, sondern hört lediglich, dass z. B. ein E ein bisschen zu tief oder zu hoch ist.

Die nächste und höchste Stufe des AG nennt man "Aural Recall" (Gehörabruf), d. h. man kann aus dem Gedächtnis jeden beliebigen Ton singen. Man kehrt dabei den Vorgang um, stellt sich die Tonhöhenfarbe vor und erhält daraus den gewünschten Ton.

Die unterschiedlichen Stufen des AG kann man nicht so absolut nebeneinander stellen, sondern sie entwickeln sich parallel. Häufig ist Aural Recall nicht die letzte Stufe, sondern schon recht früh vorhanden.

Aufgaben:

1. Gehen Sie zu Ihrem Instrument und spielen einzelne Töne. Achten Sie dabei genau auf die Klangfarben der Tonhöhen. Hören Sie tief in die einzelnen Töne hinein, also nicht nur oberflächlich.

2. Lesen Sie das Handbuch zum Kurs. Anmerkung: Geht natürlich nicht, aber das ist auch nur ein kleines
Heftchen, das nicht viel mehr als ein paar zusammenfassende Grundinformationen enthält.

3. Spielen Sie noch einmal Töne an Ihrem Instrument. Seien Sie dabei ganz entspannt und stressfrei! Hören Sie ganz einfach und natürlich wie ein Kind!
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Re:Lektion 3 - 22/02/2006 07:06 Voller Begeisterung habe ich gerade Ihren schönen Text gelesen. Dieser Kurs scheint es wirklich in sich zu haben. Ich reagiere mitlerweile auf feinste Verstimmungen meines Instruments(Gitarre), fast als wäre ich so genau wie ein elektrisches Stimmgerät. Man hört auch viel genauer wenn unsauber gespielt wird oder wenn nicht genau gestimmt wurde.

Wie oft und wie lange sollte man eigentlich mindestens üben?

Post geändert von: Volker, am: 22/02/2006 07:06

Post geändert von: Volker, am: 22/02/2006 07:07
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Re:Lektion 3 - 22/02/2006 16:00 Also, ich glaube, wir können uns hier im Forum schon duzen, oder? Ich schreibe in den Texten zu den Lektionen nur in Sie-Form, weil es die Zusammenfassung des CD-Kurses ist und David-Lukas Burge hätte die Zuhörer bei einem deutschen Kurs vermutlich auch gesiezt... Danke für das Lob, aber ist wirklich nicht auf meinem Mist gewachsen!

Wie lange sollte man täglich üben? Ich setze mich möglichst jeden Tag für 15 - 20 Minuten hin, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich morgens möglichst kurz nach dem Aufstehen am besten höre, vermutlich weil da noch nicht soviel Mist an die Ohren gedrungen ist... Wichtig ist aber, dass du möglichst jeden Tag etwas machst, denn in den Pausen dazwischen ist das Gehirn natürlich nicht untätig, sondern verarbeitet das Gelernte unbewusst weiter. Bestimmt bringt es auch etwas, zwei Übungseinheiten am Tag mit gewissem Abstand zu machen, z. B. morgens und abends.
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Re:Lektion 3 - 06/02/2007 15:15 admin schreibe:
Zu Bachs Zeit war die Stimmung niedriger, d. h. damals klang das F# auch anders und dann hatte z. B. das G den vibrierenden, scharfe Klang.

Wenn das so ist, und jeder Ton seinen eigene Charakteristik hat, dann hört sich für einen Absoluthörer "alte" Musik ganz anders an als sie gedacht war. Hat das schon mal jemand ausprobiert und mit original (tiefer) gestimmten Instrumenten einem Absoluthörer vorgespielt? Vielleicht noch verglichen mit der heutigen Stimmung?
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Re:Lektion 3 - 07/02/2007 12:07 Hallo Joseph,

das ist bei alter Musik wirklich so, wobei ich selbst vor kurzem auf einer Orgel gespielt habe, die genau einen halben Ton tiefer gestimmt war und da hat mich gewundert, dass mir das kaum aufgefallen ist.

Evtl. hängt es damit zusammen, dass mein eigentliches Hauptinstrument, auf dem ich auch Gehörbildung mache, das Klavier ist. Und wie in anderen Beiträgen schon gesagt, stören sich die spezielle Klangfarbe jeder Tonhöhe und der instrumenteneigene Klang leicht gegenseitig, d. h. man erkennt als eher mittelmäßiger Absoluthörer die Tonhöhen nur auf seinem Instrument gut. Damit meine ich natürlich nicht mein eigenes Klavier mit seinen evtl. vorhandenen Unzulänglichkeiten, sondern das Instrument Klavier an sich.

Eine Orgel, die z. B. 1/4 Ton niedriger gestimmt ist, sollte eigentlich eher ungewohnt klingen, als eine, die genau 1/2 Ton tiefer ist, da sich die 12 Töne im Kopf immer irgendwie gerade rücken und man somit die Tonhöhe an sich dann schon kennt. Das habe ich nicht ausprobiert, aber würde ich mal vermuten... Vielleicht hat ja jemand Erfahrungen damit?!

Viele Grüße,
Wolfram
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Re:Lektion 3 - 24/08/2007 20:16

Post geändert von: Syma, am: 13/08/2008 07:39
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