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Lektion 4 - 24/02/2006 00:37 Wie in den folgenden Lektionen ab und zu, steht bei Lektion 4 am Anfang ein Frage-Antwort-Spiel. Die dann folgende kreative Aufgabe (Zuordnung von Farben zu den einzelnen Tönen) ist ganz nett, ich muss aber zugeben, dass ich sie - auch mangels ausreichender Anzahl unterschiedlicher Farbstifte - nicht wirklich mit ganzem Herzen gemacht habe.

Frage - Antwort:

F: Je mehr ich mich bemühe, desto weniger höre ich die Tonhöhen-Farben. Zu Beginn kann ich sie ein wenig wahrnehmen, aber wenn ich versuche, genauer hinzuhören, verschwindet dieses Empfinden.
A: Wichtig ist, dass man ohne Anstrengung völlig entspannt hört. Will man tief in einen Pool eintauchen, darf man dabei auch nicht hin- und herschwimmen, sondern muss sich ohne weitere Aktivität einfach in die Tiefe sinken lassen. Wenn das Gefühl für die Tonhöhen-Farben kommt und geht, ist das völlig in Ordnung. Das ist ganz normal bei der Entwicklung des absoluten Gehörs (AG). Um einen Ton wirklich zu empfinden, muss man in sich hineinhören. Lehnen Sie sich zurück, ohne zu versuchen, die Note zu erkennen, lassen Sie sie einfach auf sich wirken und auf sich zukommen. Wenn wir beginnen, die Farben zu hören, versuchen wir nicht, durch konzentrierteres Hinhören, das Empfinden zu verstärken, denn das F# wird durch mehr Anstrengung nicht schärfer und das Eb nicht weicher! Was passiert ist vielmehr, dass das Ohr lernt, eine sehr feine Unterscheidung dazwischen zu machen. Wenn also zu Anfang des Empfinden für die Tonfarbe kommt und geht, ist das völlig in Ordnung!

F: Ich finde im Kurs keine Beschreibung, die die Klangfarbe der einzelnen Töne charakterisiert.
A: Die Tonklangfarbe ist nur sehr schwierig zu beschreiben, da ein D eben wie ein D klingt und ein Ab wie ein Ab! Ich kann nur Hinweise geben wie "schärfer", "weicher", "heller", aber wenn Sie die Übungen des Kurses der Reihe nach machen, wird sich das Empfinden für den Klang der einzelnen Töne automatisch einstellen.

F: Klingt das F# wie ein Gb?
A: Ja, es hat die gleiche Tonfarbe. Das gilt sogar auf einer Violine, denn dort sind beide Töne so dicht beieinander, dass sie gleich klingen.

F: Hört jeder die Tonhöhen-Farben gleich?
A: Bei meinen Seminaren stelle ich den Teilnehmern immer die Aufgabe, ihr Empfinden beim Hören eines Tons zu beschreiben und es wiederholt sich regelmäßig, d. h. in jedem Seminar werden die gleichen Charakterisierungen gebraucht. Deshalb würde ich "ja" sagen!

F: Was ist, wenn ich zwar versuche entspannt zu hören, aber die Tonhöhen-Farben überhaupt nicht erkennen kann?
A: Dann lassen Sie sich dadurch nicht irritieren, sondern machen einfach mit den Übungen weiter. Unser Ohr ist einfach nur darauf konditioniert, horizontal zu hören, also von Ton zu Ton und nicht vertikal in die einzelnen Töne hinein. Ihr Ohr wird sich früher oder später entwickeln und die Tonfarben erkennen lernen.

F: Klingen auch die verschiedenen Tonarten unterschiedlich?
A: Ja, D-Dur klingt auf jeden Fall anders als G-Dur etc. Sie haben durch ihre unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Töne definitiv einen anderen Klang.

F: Was ist, wenn ich transponieren muss oder ein Stück in einer anderen Tonart höre? Kann ich dann durch das AG verwirrt werden?
A: So etwas ist einfach nur ein Mythos! Manche Menschen mit AG machen sich wichtig, indem sie sagen, sie hätten Probleme, weil etwas in einer anderen Tonart sei. Das ist absolut nicht der Fall, denn das AG ist nichts anderes als die Farbe in der Musik! Wenn ich einen Farbfernseher kaufe, kann ich mich auch nicht über die Farbe eines Autos beschweren, das dort gezeigt wird, weil sie mir nicht gefällt oder anders als das original ist. Es ist immer noch besser, als ein s/w-Fernseher! Manche reden auch schlecht über das AG, weil sie krampfhaft versucht haben, es zu entwickeln und frustriert sind, es nicht geschafft zu haben. All diese Vorurteile stimmen nicht, vielmehr kann jemand mit AG viel besser transponieren, weil auch ein Absoluthörer die harmonischen Zusammenhänge erkennt und einfach weiß, dass der nächste Akkord z. B. As-Dur sein muss. Natürlich ist dafür auch das relative Gehör erforderlich und sinnvoll, denn beides arbeitet Hand in Hand und ergänzt sich idealerweise. Auch wenn jemand sagt: Ich möchte kein AG, weil es mich verrückt machen würde, so ist das ziemlicher Unsinn. Jemand mit AG hört das Orchester nicht anders als jemand ohne AG! Wenn das Orchester in sich nicht stimmt, hören es beide, aber der Absoluthörer empfindet zusätzlich noch die Farbe in der Musik, die jemand ohne AG sich - ähnlich wie ein Farbenblinder - nicht vorstellen kann! Kurz zusammengefasst kann man sagen: Manchmal wird einfach nur mit dem AG angegeben, indem man eine falsche Tonhöhe als störend moniert!

F: Was ist mit Leuten, die "ton-taub" sind? (Anmerkung: Ein Begriff, den ich noch nie gehört habe)
A: Wer keinen Ton halten kann, wird oft als ton-taub angesehen. Meist sind das einfach nur Stimmprobleme, die nichts mit falschem Tonempfinden zu tun haben. Wer Schwierigkeiten hat, den Ton zu halten, muss vielleicht ein wenig mehr üben, bis das AG voll entwickelt ist. Darüber brauchen wir uns aber eigentlich keine Gedanken zu machen, weil jeder, der Musiker ist oder sich für Musik interessiert, Tonhöhen sicherlich richtig hört!

F: Ist das Alter ein Faktor, der die Entwicklung des AG beeinflusst?
A: Es ist ein Faktor, aber kein wichtiger. Ich habe viele ältere Menschen in meinen Seminaren, die sehr schnell zum AG kommen. Vielleicht sind Kinder ein wenig im Vorteil, weil ihre Ohren noch nicht so darauf konditioniert sind horizontal zu hören. Ein gutes Alter, um es schnell zu lernen, könnte von Teenager bis Anfang 20 sein. Aber wenn man genug Zeit zum Hören mitbringt, ist das Alter überhaupt kein Problem!

F: Wie lange dauert es, das AG zu entwickeln?
A: Das ist ganz unterschiedlich, irgendetwas zwischen 2, 3, 4 bis 12 Monate. Es hängt einfach davon ab, wo man aktuell mit der Entwicklung seines Gehörs steht.

F: Kann man das AG wieder verlieren?
A: Wenn man einmal die Tonhöhen-Farben erkannt und zu identifizieren gelernt hat, ist dies permanent, d. h. man kann sie nicht wieder vergessen.

Übungen:

Das AG ist keine intellektuelle Leistung, sondern eine eher kindliche Wahrnehmung. Versetzen wir uns einfach einmal wieder in die Kindergartenzeit: Nehmen Sie sich ein großes Stück Papier, dazu Buntstifte oder andere farbige Stifte und setzen sich an Ihr instrument. Spielen Sie ganz langsam und chromatisch die Töne einer Oktave. Hören Sie genau hin und tief in die Töne hinein. Lassen Sie Ihr Bewusstsein frei und leicht sein und während Sie zuhören, überlegen Sie, welche Farbe am besten zu jedem Ton passt. Sie können auch Farben mischen und eigene, neue Farbtöne kreieren. Wenn Sie gründlich genug zugehört und passende Farben gefunden haben, malen Sie eine wie auch immer gestaltete Tabelle, welcher Ton am besten zu welcher Farbe passt. Die Gestaltung ist völlig Ihnen überlassen: Farbige Noten, Noten auf farbigen Linien, ein Regenbogen etc.

Was Sie wissen sollten: Diese Übung ist für jeden, der den Kurs macht, vor allem für diejenigen, die meinen, sie wäre nicht nötig und die sie überspringen wollen! Manchmal habe ich den Eindruck, dass vor allem intellige Menschen sie überspringen, um einfach mit der nächsten Lektion weiterzumachen. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, lassen Sie diesen Gedanken einfach fallen und stellen sich vor, wieder ein Kind zu sein! Diese Übung ist wirklich ein guter erster Einstieg ins Farbenhören und diesen Start wollen wir nicht überspringen! Sitzen Sie ein Weile am Instrument, hören Sie auf die Töne und zeichen Sie Ihr eigenes Farb-Chart!

Anmerkung: Damit es zu keinen Missverständnissen kommt (wird in der nächsten Lektion auch noch gesagt). Durch die Zuordnung zu den Farben soll keine synästhetische Verknüpfung zwischen Tönen und Farben erreicht werden, vielmehr ist der Zweck der Übung die Wahrnehmung der unterschiedlichen Ton-Klangfarben durch das genaue und meditative Hören!
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Re:Lektion 4 - 25/02/2006 08:11 Guten Tag allerseits,

ich hab mal im Forum für klassische Gitarre einen Link für dieses Forum hinterlegt. Es müssen einfach viel mehr Leute diese hochinteressanten Infos bekommen!

Post geändert von: Volker, am: 25/02/2006 08:12

Post geändert von: Volker, am: 25/02/2006 19:40
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Re:Lektion 4 - 25/02/2006 17:38 Ja prima! Vielleicht kommen wir irgendwann sogar auf die 1. Seite, wenn man bei Google nach "Gehörbildung" sucht! Etwas ungünstig ist natürlich der Domainname mit Umlaut, da Google offensichtlich nicht weiß, dass ein deutsches "oe" einem "ö" entspricht und Domainnamen bekanntlich höchste Relevanz haben... Egal, wird schon werden!

Habe nur keine Lust, bestimmte Suchbegriffe bei Google zu kaufen (AdWords). Das wäre natürlich der effektiveste und kostenpflichtige Weg nach oben!
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Re:Lektion 4 - 07/03/2010 20:10 Hallo lieber Wolfram!

Vielen Dank, daß du dir die Mühe machst und die Zeit nimmst, diesen Kurs zu übersetzen und hier renizustellen!
Ein sehr schönes Forum , ich bin richtig dankbar, daß ich es gefunden habe
Bin gerade dabei, mich auf die Aufnahmeprüfung für ein Kirchenmusikstudium vorzubereiten (sind leider nicht mal mehr drei Monate
) und versuche gerade mit aller Kraft, mein relatives Gehör dafür auszubilden. Ich finde es eine schöne und faszienierende Vorstellung, ein absolutes Gehör zu besitzen. Ich stelle mir vor, daß man die Musik viel tiefer un intensiver erleben kann und somit (wenn es denn klappt) das Studium im musikalischen Bereich vertiefen und vervollkommnen kann.(Klingt jetzt ein bisschen blöd...

Ich habe heute angefangen, die erste Übung zu machen, also jedem Ton eine eigene Klangfarbe zuzuordnen und diese dann auch wieder zu erkennen.Das ist wirklich nicht einfach für mich... Ich empfinde eigentlich so gut wie fast gar nichts, ich hoffe, daß das noch besser wird. (Ich weiß, das braucht Zeit, aber ich bin leider sehr ungeduldig...)

Was genau ist mit "einen Ton meditieren" gemeint? Wie macht man das? Man muss den Ton ja dann auch immer wieder neu anschlagen. Wenn der Ton dann so nachklingt, ist es noch schwerer, die Klangfarbe des Tones zu erkennen. Kannst du mir da ein paar Tipps geben?
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Re:Lektion 4 - 12/03/2010 15:05 Hallo Xenia,

tut mir Leid, dass ich erst jetzt antworte, aber irgendwie ist mir Deine Nachricht "durch die Lappen gegangen"...

Was genau ist mit "einen Ton meditieren" gemeint? Eigentlich genau das, was Du beschrieben hast, also einen Ton anschlagen und sich ganz in den Klang hineinversenken. Dazu gehört auch das Ausschwingen und neue Anschlagen. David-Lucas Burge bringt ganz zu Anfang seines Kurses eine Art Beispiel-Tonmeditation mit Fis und Es. Keine Ahnung warum, aber auch für mich klingen diese beiden Töne besonders unterschiedlich.

Ich kann gut nachempfinden, dass Du meinst, jeder Ton klänge für Dich eigentlich gleich. Das ist mir auch immer so gegangen und die Semester an der Musikhochschule haben daran auch nichts geändert (klar, da sagen sie ja auch, dass man das absolute Gehör nicht lernen kann und tun nichts dafür). Erst als ich mich dann mehr aus Neugierde auf den Ansatz von Burge eingelassen habe, haben sich die unterschiedlichen Klangfarben in meinem Empfinden entwickelt. Ich muss aber zugeben, dass ich in letzter Zeit nicht mehr viel in Richtung Gehörbildung gemacht habe, obwohl ich noch längst nicht perfekt absolut höre. Aber es erfordert wirklich ganz viel Geduld und geht (zumindest bei mir) nur langsam voran.

Wenn Du jetzt nur noch drei Wochen (inzwischen 2 1/2) Zeit bis zur Aufnahmeprüfung hast, würde ich die Zeit deshalb eher fürs Üben des relativen Gehörs nutzen, weil das ja gefragt ist. Während des Studiums und später natürlich auch hast Du dann ja noch genug Zeit, auch das absolute Gehör zu entwickeln... Aber musst Du natürlich selbst wissen.

An welcher Hochschule bewirbst Du Dich? Ich war damals in Köln und möchte die Zeit nicht missen, auch wenn ich's nicht zuende gebracht habe...

LG,
Wolfram

Post geändert von: admin, am: 12/03/2010 15:06

Post geändert von: admin, am: 12/03/2010 15:07
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Re:Lektion 4 - 15/03/2010 23:20 Hallo Wolfram!

Danke für deine Antwort Für meine Aufnahmeprüfung sind es noch knapp drei Monate, nicht drei Wochen, da hast du dich verlesen naja, trotzdem... aber ich übe natürlich erstmal hauptsächlich an meinem relativen Gehör und eigentlich ist es auch schon einigermaßen gut. Aber ich übe trotzdem auch etwas an meinem relativen GEhör, aber ich kann immer noch keinen Unterschied zwischen fis und es hören...

Ich bewerbe mich in Hannover, Bremen, Mainz und Frankfurt. Aber ich wünsche mir sehr, daß sie mich in Hannover nehmen.(Das gehört jetzt nicht hierher, vielleicht kann man den Beitrag verschieben)aber was musstest du genau bei der mündlichen Gehörbildungsprüfung machen? Ich habe zwar natürlich Informationsblätter der jeweiligen Hochschulen, aber da steht natürlich nur grob, was man machen muss, also Intervalle, Akkorde, Kadenzen, Tonfolgen etc. erkennen, nachsingen, spielen. Was genau musstest du denn machen und wie lief das bei dir ab?


Liebe Grüße, Xenia
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